white trash

Was ich so gemacht habe in den letzten Monaten?

Flat Whites mit White Flats getrunken.

Krokodile würden auch gerne Birkin-Bag tragen

Jane Birkin hat mal die Birkin-Tasche erfunden. Und Hermès hat die  Birkin-Tasche hergestellt. Ab 6000 Euro und verbunden mit jahrelangen Warteschleifen kann heute jede Normalfrau eine Birkin-Bag erwerben. Nun beklagt aber Jane, dass für die Bag Krokodile geschlachtet werden, also nicht dass für Krokodilledertaschen Krokodile geschlachtet werden müssen, sondern dass die Krokodile in Fabriken grausam geschlachtet werden. Die Krokodile sollen einfach nur so geschlachtet werden, damit Frauen auch weiterhin Birkin-Taschen schwenken und aufdringlichen Männern um den Kopf schlagen können.

Bleibt zu hoffen, dass  die Krokodile auch weiterhin kapieren, dass die Birkin-Bag aus ihnen gefertigt wird, und nicht aus Jane Birkin.

Besuch bei den Besorgten

Am Wochenende fuhren wir nach Thüringen zur Familie das Gatten. Warum in den Osten, wenn der doch aus dem Saarland kommt? Weil Honecker die DDR nach saarländischem Vorbild aufgebaut hat, fühlen sich Saarländer dort so wohl. Die Verwandte zog also in den Osten und hat sich ihr Leben mit den Einheimischen aufgebaut.

Bevor die Fete startete, saß ich draußen mit zwei Thüringern, die sich Videos mit Flüchtlingswitzen zeigten. Was? Ja! Mir zeigte einer ein Foto von einem kleinen blonden Kind, das von dunklen Menschen umringt wird, mit dem Kommentar, dass es "so in 30 Jahren bei uns aussehen wird". Danach fügte der Besorgte noch hinzu "Aber heute muss man ja schon sehr vorsichtig sein, wenn man sowas sagt", und nickte mir verständnisheischend zu. Ich versank derweil im ostdeutschen Boden, während der Mann im Garten spazieren ging. Das habe ich davon, dass ich Spaziergänge nicht leiden kann…

Danach Fete. Normalerweise wäre der nachfolgende Ehestreit so abgelaufen: Ich: Deine Verwandte hört die beschissenste Musik seit Erfindung der Menschheit" - Er: Das sagst du nur, weil du meine Familie nicht magst" - Ich: "Das sage ich vor allem, weil ich Musik mag!" - Er: " Ich mag es nicht, wenn du dich distanzierst"- Ich: "Vor schlechtem Geschmack Distanz zu wahren, ist Staatsbürgerpflicht, insbesondere bei schlechter 80er Jahre Musik (I will survive und dergleichen, ihr wisst schon, Schunkelmukke für die ewig Mittelmäßigen).- usw.

Aber zu dieser Art von After-Party-Streit kam es diesmal gar nicht, weil nämlich die Thüringer, statt Würstchen zu servieren, ihren Humor losließen. Es trat auf: Der Hofnarr, ein ostdeutscher "Kabarettist", der von Menschen mit dunkler Hautfarbe sprach, die man aber nicht mehr N.... nennen dürfe, und das sei ganz besonders arg, dass man die nicht mehr N... nennen dürfe. Erst neulich sei er, der besorgte Kabarettist, in einer Kantine gewesen, wo so ein.... hiihihihii, der Saal kochte inzwischen,... N.... ihn bedient hätte, mit dicken Lippen, wie eben die N.... aussähen... hohoho, hihihi, und überhaupt, früher hießen unsere Fußballer Beckenbauer, Breitner und heute alles Ausländer. Halt. Unsere Fußballer? Beckenbauer war doch in den 70ern für die Ostgoten Ausländer, also ein Vertreter der Spezies, die er in seinem "Kabarettstückchen" verunglimpfen wollte. Wozu hatten wir denn die Mauer? Haben die das vergessen? Ich verstand ihn nicht, aber die Zuschauer patschten mit den Händen. Ich machte gute Miene und trank ein Bier. Sah mich im Saal um: Alles weiße Thüringer. Kein arabisch aussehender oder gar N… zu sehen. Warum ich mich darüber gar nicht mehr wunderte, weiß ich jetzt auch nicht mehr.

Dann Diskussion: Sind bei euch auch so viele Flüchtlinge? Ja, es ist besorgniserregend. Ja, wir haben auch Sorge, die nehmen uns unsere Sporthallen weg. Und das sind doch alles junge, sexuell aufgeladene Männer!, schreit eine nicht mehr ganz junge Frau (wer weiß, was alles die sich in einsamen Momenten mit jungen, sexuell aufgeladenen Männern vorstellt), die greifen auf unsere Töchter zu und dann war’s das, die Töchter, platsch, futsch, sexuell und so, ihr wisst schon. Nach außen lächelte ich wissend. Mein Inneres wollte einräumen, dass die Töchter durch die Flüchtlinge eine bessere Chance auf einen gebildeten Mann erhielten, hielt mich aber des Haussegens wegen zurück. Ich hörte mir noch eine Weile die Sorgen der Besorgten an, und trottete dann mit dem Mann zurück ins Hotel.

Auf der Rückfahrt herrschte betontes Schweigen. Kein Gespräch über schlechten Musikgeschmack, keine Lust zu streiten. „Aber sie waren immerhin recht nett“, versuchte er es. Ich brachte an der Stelle nicht mein übliches „Hitler war auch nett – zu seinen Schäferhunden“, sondern lächelte schweigend und drückte auf „play“, so konnten wir während der Rückfahrt endlich die neue Libertines hören. Die hörten wir gleich ein zweites Mal und ein drittes, und die ist echt gut. Während unserer Zeit bei den Besorgten hat sich die Band offenbar vom „medical reason“ erholt und trat in Berlin auf dem Lollapalooza Festival auf. Nächstes Mal gehe ich dahin.

 

Zuhause deutsch sprechen

Die CSU sagt, Ausländer sollen zuhause deutsch sprechen, damit sie sich besser integrieren.

Dorian sagt, die CSU soll dann aber auch zuhause deutsch sprechen.

Berlin Party People

Früher war alles besser. Auch in Berlin: Im KaDeWe gab es Heringssalat und in Kreuzberg Becks Bier. Früher zog man nach Berlin, um das Dorf in Westdeutschland und die dort herrschende Enge zurückzulassen. Zurück liess man die Krawallmacher in ihrer tristen Dorfkneipe. In Berlin gab es Underground, Nick Cave und Gelassenheit. Keiner sah einen an, wenn man mit gold eingefärbter Glatze in die Kneipe ging. Partys feierte man in der Kneipe, zuhause schlief man sich aus.
Heute ziehen die Leute nach Berlin, um Enge und Spießigkeit zu erleben. Partys feiern sie im von Mutti eingerichteten WG-Zimmer; sie gröhlen, werfen Bierflaschen durch Gärten und denken, hurra, das ist richtig cool, Weltstadt und so. Deshalb ist Berlin heute auch nicht mehr Underground, sondern ein Sandkasten für kleine Spießerkinder, die nochmal so richtig Dope rauchen, bevor sie eine Durchschnittsfamilie gründen im Prenzlauer Berg.
"Ich bin neu eingezogen. Heute ist meine Einzugsparty, es könnte lauter werden. Ich bitte um Verständnis" las ich in unserem Hausflur. Ach du Kacke. Heute brauchen die Kinder fürs Zudröhnen ein Zuhause, Coziness wie bei Mutti. Irgendwer bringt zur Party den Nudelsalat mit. Vorher nochmal alle zusammen TV Glotzen. Was folgte, waren losgelassene Schreihälse mit Bierflasche im Gartenstuhl sitzend wie weiland unsere Großväter und ihre Kumpels aus dem Krieg. Um 2 Uhr morgens gab es Flaschenwerfen unter Gegröhle. Ob ich nach Wuppertal ziehe?

Übrigens feiert das Ex'n'Pop 30. Geburtstag. http://www.exnpop.de/
Als meine Schwester mich mal besuchte, ist sie tagelang darin verschwunden. Damals feierte man seine Exzesse innerlich, mit Anstand und Würde.

White Trash

Gespräch mit dem Sohn der Freundin. Er hat bald Geburtstag, ich fragte nach seinen Wünschen.

Warum braucht der 13-jährige ein Smartphone für 400 Euro, wenn das Taschengeld nicht einmal für die Telefonate und SMS ausreicht, geschweige denn für das unsinnige Downloaden von Gigabytes an Videos von Justin Bieber. Mit 11 hatte er schon das erste iPhone. Der Junge besitzt mehr iPods als mein gesamter Haushalt. Ein Tablet hat er auch, wahrscheinlich  sein drittes. Und einen eigenen Fernseher. Den Gameboy hat er schon mit zehn weggeschleudert. Den elektronischen Hund, den er alle 2 Stunden virtuell füttern musste, hatte er da bereits vergessen. Jemand hat mal erzählt, dass man den Pöbel von heute an der Anzahl herumliegender elektronischer Gadgets erkennen kann. Ich frage mich inzwischen, ob das, was diese Person als Pöbel bezeichnete, heutzutage state of the art ist, während wir, also unser Haushalt, die Außenseiter sind. Ohne iPad und so.

Und wieso will dieses Kind mit kaum 14 auf einmal Bier trinken?

Moment..., das Telefon klingelt. Ah, der Exgatte will mit mir sprechen. Ich erzähle von meiner Not mit der Jugend von heute. Sanft weist er mich darauf hin, dass mir meine jugendliche Alkoholabstinenz (bis 18!) auch nix gebracht hat. Ok, touchée, aber mein Umgang mit Smartphones sei durchaus vernünftig, werfe ich ein. Egal, wir verabreden uns zur Sektprobe für seine anstehende große Feier.

Doch mir will es nicht aus dem Kopf: Warum können die jungen Leute von heute sich nicht an den schönen, kleinen Dingen erfreuen, so wie wir es damals taten? Bücher, mein Gott, was habe ich gespart für meine erste LP...

Plötzlich spricht die Stimme von Johnny Thunders zu mir und ich fange an zu begreifen…

 

 

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