Das Ende einer Ëra

"Du Ferdi, der Vorstandsvorsitzende hat in der Sitzung gesagt, dass ich gar nicht weiß, wie ein Motor aussieht, und dass ich, wenn ich es wüßte, es doch nur von dir wüßte. Der gesamte Vorstand hat gelacht."- "Dieser Hornochse! Uschi, so geht das nicht. Der Vorstandsvorsitzende hat dir zu gehorchen. Der Aufsichtsrat auch, also zumindest, wenn ich nicht dabei bin. Du bist schließlich wie ich, und für ihn bist du gleich ich. Warte mal: Du kennst doch noch alle Namen meiner Autos? Lass es uns kurz wiederholen: Lupo..." - ".... äh, Fix und Foxi?" - "Ach nö Uschi, das war das Zeug für die Kinder! Es geht weiter mit Polo, Polo, Polo, Herrschaftszeiten, jetzt rege ich mich wieder auf, und schuld an allem ist dieser ignorante Vorstandsvorsitzende... ts...ts...ts... Autos mit brennstoffsparendem Antrieb für den europäischen Markt. Sowas Rückständiges. Den mach ich fertig. Uschi, soll ich den mal so richtig vor der Presse...?" - "Ach Ferdi, lass mal, ich bin ja eine kompetente Aufsichtsrätin. Ich bin praktisch so wie Friede. Habe mir alles selbst aufgebaut! Aber vielleicht kannst du ihn mal schimpfen und ihm sagen, dass er nicht so böse mit mir ist? Das macht mich ganz traurig und dann denke ich immer, gleich verliere ich meine Kompetenz." - "Uschi, du meinst wahrscheinlich deine Contenance..."

Ein paar Tage später: "Du Ferdi, der Vorstandsvorsitzende hat gesagt, dass ich nur in den Aufsichtsrat gewählt wurde, weil alle anderen Angst vor dir hatten. Und dann hat er noch 'ätschbätsch' gesagt. Die anderen Vorstände haben so getan, als ob sie in ihren Aktentaschen was suchen, aber ich habe gesehen, dass sie gelacht haben.  Das kann ich mir doch nicht bieten lassen. Das ist so gemein, dabei sagst du doch immer, dass ich gewählt wurde, weil die anderen auch ein bisschen Angst vor mir hatten, nicht nur vor dir!" - "Echt Uschi, jetzt reicht es mir. Den knöpf ich mir vor. Ich schreib dem jetzt mal, wer hier der Herr im Hause ist. Ach was, ich geh gleich an die Presse, damit es alle erfahren. .... Ich bin ganz ruhig, ich rege mich nicht auf.. Ich gehe auf Distanz..." - "Du Ferdi, das ist so toll, dass du mich dabei unterstützt, dass ich als Aufsichtsrätin agieren darf, die sich ihren Platz ganz allein erkämpft hat."

Noch ein paar Tage später: "Der Vorstandsvorsitzende hat gesagt, der Phaeton sei doch bloß ein mit Hefeteig gefütterter Passat, und du hättest mich bei seinem Design als Inspiration im Kopf gehabt. Ist das jetzt gut oder schlecht, Ferdi? - "Grrrr. Uschi, du trittst mit sofortiger Wirkung zurück. Und in einem Konzern, in dem kompetente Frauen durch orientierungslose Vorstandsvorsitzende behindert werden, möchte auch ich nicht mehr Aufsichtsratsvorsitzender sein. Wir gehen!"

 

 

 

Comments

Vor langer Zeit schrieb Dorian auf Kommafehler einen Kommentar zu meinem Post. Wie ist das möglich? Konnte er in die Zukunft denken? Oder haben wir in unserer Beziehung nur noch ein Thema: Frauen in Aufsichtsräte, bzw. ein Ersatzthema: Brennstoffarme Autos für George Clooney?
 

 

Was mich dann zu der Erkenntnis bringt, dass ich bei Dorian nicht Aufsichtsrätin werden konnte, weil der keine Kinder hat, die ich hätte hüten können. Und ich auch nicht seine Sekretärin war. Da die Welt immer noch so funktioniert, dass Frauen entweder die Kerle, deren Kinder oder als Witwen deren Leichen hüten, schlage ich vor, dass viel mehr Aufsichtsräte sich in Frauen begeben sollten.

Offenbar ist für Frauen auch im 21. Jahrhundert Sex (und alles, was konventionell dazu dient, ihn zu rechtfertigen, also Kinder, Küche und Büroarbeit) der einzige Weg, um eine Machtposition zu erlangen.

(ge- und beschrieben)

(Bin vollständig überzeugt davon, daß es sich keinesfalls anders zugetragen haben kann.)