Potsdamer Straße

Früher wohnte ich in Kreuzberg, dann mal in Friedrichshain, igitt, war das ekelig 1994..., dann in Schöneberg, dann nahe der Potsdamer Straße. Seit 15 Jahren schon. Es ist gut hier. Füher gab es in der Kluckstraße eine Druckerei, und einen Laden, in dem man seine Kassetten in CDs umwandeln konnte. Alles weg heute. Kleidershops und Galerien, familienfreundliche Mietshäuser und der ganze Mist haben auch mein Viertel erreicht.

Es gibt immer noch bzw. immer mehr Mädchen, die anschaffen gehen. Heute meist Tagelöhnerinnen aus dem Ostblock. Ich habe keine Vorurteile, auch nicht gegen das Mädchen, das neulich im Ganzkörper-Netzkleid ohne was drunter über die Potsdamer lief. Die Touristen im Eck-Café glotzten, ich blieb kühl. Wir Berliner ertragen jede Sicht.

Der Fleischer Staroske ist mein Freund. Er liebt bayerische Schmankerl, ich komme aus Bayern, da haben wir ein gemeinsames Thema. Manchmal schaut Charlotte, die wohl älteste Dame des horizontalen Gewerbes around Potsdamer, rein, bestellt eine Wurst und ein Bier und nennt den Fleischverkäufer "Porky". Manchmal pöbelt sie auch Touristen und Hippster an, was mir persönlich sehr gefällt, das würde ich aber nie öffentlich zugeben.

Auch hochwertige Mode gibt es seit ein paar Jahren auf der Potsdamer. Murkudis hat sein Geschäft im ehemaligen Tagesspiegelgebäude, die Hutdesignerin Fiona Bennett ist von MItte nach Potsdamer gezogen, und zeigt im Atelier mit großen Schaufenstern jedem Schaulustigen, wie ein Hut angefertigt wird.

Kurz: Früher liefen in der Gegend schauderhafte Typen mit schlechten Klamotten herum, heute laufen in der Gegend schauderhafte Typen mit guten Klamotten herum.

Vorhin kaufte ich wegen der Hitze 12 Flaschen Wasser ein und lief mit meinem Hackenporsche die Potsdamer Straße runter, als plötzlich ein Taxi anhielt und ein Typ mit langer Mähne, Typ zwischen Manny (von Black Books) und dem Herrn Geißens von den Geißens, den ich hier aber nicht verlinken will, also dieser Typ mit seinem, äh, Mädchen ? ausstieg, den Arm um sie legte und ansetzte, das zu tun was Typen, die wie Herr Geißens aussehen, so tun: Er erklärte ihr die Welt. Die sehr junge Frau locker in seinem nicht mehr so jungen Arm gewickelt, schritt er hinter mir her und erklärte ihr "Der Andreas (Anm.: Murkudis) hat alles richtig gemacht." Ich spitzte die Ohren: Ich interessiere mich für Menschen, die alles richtig machen. Ich selber bin ja eher für meine Fehler bekannt (fragt mal meine Exgatten), also lerne ich dazu, wo ich nur kann. Geißens fuhr fort: "Die Fiona ist auch hier, die hat es auch richtig gemacht. Aber der Andreas, der hat es wirklich richtig gemacht."

Ja was denn? Die Spannung wude unerträglich.

"Münzstraße, Mitte, einfach aufgegeben. Aber nicht, um in den echten Westen zu gehen. Nein, der Andreas ist genau hier in die Potsdamer Straße gegangen, wo echte Menschen leben. Wo das Leben dieser echten Menschen noch pulsiert...." Ich ließ Geißens weiterreden und schob meinen Hackenporsche vorwärts. Und grübelte. Das reicht schon? Einfach in die Potsdamer ziehen, dann ist alles richtig?

Da fiel es mir ein: Ich habe also auch alles richtig gemacht! Ich bin sogar noch besser als Andreas: Schon 15 Jahre vor ihm kam ich hierher.

SAP in Indien

SAP in Indien

Gestern beim Arzt

Ich musste zum Arzt. Ein Vorgespräch für einen kleinen Eingriff - nicht der Rede wert.

Nicht der Rede wert?

Die Schwester, nennen wir sie Conchita, empfing mich zur Anamnese. Sie kam auch gleich zur Sache: Es kann Krebs sein, sagt sie und zeigt gleich auf rote Punkte auf einer Tafel, die wohl Krebs bildlich darstellen sollen. Aha, sage ich, und frage, ob der Eingriff - Krebs mal beiseite - gefährlich sei. Nein, sagt Conchita, nur in 2% von 4000 Leuten gibt es Unfälle, die dann stationär geflickt werden müssen. Aha, sage ich, und was ist bei 5000 Leuten? Da seien es eben mehr Prozent, entgegnet sie munter. Und bei 100 Leuten? - icke nu wieder. Conchita reicht's jetzt langsam. Sie sagt: Ich habe keine Zeit, mit Ihnen Rechenaufgaben zu lösen. Ok ok, sage ich und begebe mich ins Wartezimmer, wo ich auf den Arzt warte. 2% geht mir durch den Kopf. Selbst wenn sich die Gefahr bei einer wachsenden Zahl von Eingriffen nicht potenziert, ist das ganz schön viel. Ich werde unruhig, will meinen Mantel packen und abhauen.
Da kommt der Arzt und schiebt mich ins Zimmer. Er sagt, aha, keine Beschwerden. Ich sage, doch, aber Conchita hat mich nicht nach Beschwerden gefragt. Er seufzt vernehmlich. Erklärt mir dann den Eingriff, und dass das Risiko einer Komplikation im Bereich unter 1 Promille läge. Nun seufze ich grinsend. Er fragt nach dem Grund und ich berichte von Conchitas Rechenbeispiel. Da wurde er bleich im Gesicht und seufzte noch vernehmlicher. Ich beruhigte ihn und erklärte, dass das gar nicht schlimm sei, da ich a) professionell mit Menschen umgehen könne (haha!) und da b) wahrscheinlich 90% seiner Patienten nicht fit im Prozentrechnen seien und Conchitas Unkenntnis gar nicht auffiele.

Wir verblieben so, dass er Conchita feuert und ich in zwei Wochen von ihm mit einem Risiko von unter 1 Promille operiert werde.

Geschäftsreise

Auf dem Heimflug mit KLM von Hyderabad von den Flugbegleitern überreicht bekommen: Die Häuser enthalten Schnaps!